10 Schritte zum Persönlichen Budget

1.     Idee

Sie wünschen sich eine Veränderung, weil Sie mit einer Situation unzufrieden sind oder ein konkretes Ziel vor Augen haben.


2.     Beratung

Suchen Sie eine Beratungsstelle auf und informieren Sie sich ausführlich zum Persönlichen Budget.


3.     Bedarfsermittlung

Sie ermitteln mit Unterstützung Ihre tatsächlichen Unterstützungsbedarfe.


4.     Leistungserbringer wählen

Sie suchen sich einen Dienst oder Personen, die Sie unterstützen sollen.


5.     Antrag

Sie beantragen Leistungen in Form eines Persönlichen Budgets.


6.     Überprüfung

Der Kostenträger überprüft seine Zuständigkeit, Ihre Voraussetzungen für diese Leistung und Ihren Unterstützungsbedarf.


7.     Budgetkonferenz

Sie treffen sich mit dem Kostenträger zur Budgetkonferenz, einem gemeinsamen Gespräch.


8.     Zielvereinbarung

Sie schließen gemeinsam mit dem Kostenträger eine Zielvereinbarung ab.


9.     Bescheid

Der Kostenträger schickt Ihnen den Bescheid über das Persönliche Budget.


10.  Verträge mit den Helfern

Sie schließen Verträge mit Ihren Helfern und führen Nachweise über erbrachte Leistungen.
 

 

 

1.     Idee

Sie wünschen sich eine Veränderung, weil Sie mit einer Situation unzufrieden sind oder ein konkretes Ziel vor Augen haben.

Sie bekommen schon eine Leistung von einem Kostenträger, wie beispielsweise dem Sozialamt. Diese Leistung ist nicht auf Ihre Unterstützungsbedarfe ausgelegt. Sie sind nicht zufrieden mit der Leistung und möchten Ihre Unterstützer lieber selbst wählen und flexibler entscheiden. Das Persönliche Budget kann Menschen mit Behinderung helfen eigene Ziele zu verwirklichen. Es kann Ihre Selbständigkeit, Selbstbestimmung und Teilhabe verbessern.

Sie sollten sich beispielsweise fragen:

Bin ich mit meiner Wohnsituation zufrieden?

Bin ich mit meinen Helfern zufrieden?

Kann ich meine Unterstützer selbst wählen?

Was möchte ich gern in meinem Leben verändern?

Sie haben einen Wunsch oder eine Idee, was Sie in Ihrem Leben verändern möchten.

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2.     Beratung

Suchen Sie eine Beratungsstelle auf und informieren Sie sich ausführlich zum Persönlichen Budget.

Das Persönliche Budget ist in verschiedenen Gesetzen verankert. Da Gesetze oft schwer zu verstehen sind, sollten Sie in einer Beratungsstelle oder bei Ihrem gesetzlichen Betreuer nachfragen.

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3.     Bedarfsermittlung

Sie ermitteln mit Unterstützung Ihre tatsächlichen Unterstützungsbedarfe.

Es ist empfehlenswert jedem Antrag auf Leistungen in Form eines Persönlichen Budgets eine Bedarfsermittlung beizulegen. In einer solchen Bedarfsermittlung sollte aufgelistet sein, wobei, wie oft und wie lange Sie Unterstützung benötigen. Außerdem sollte daraus hervorgehen welche Qualifikation der Unterstützer haben sollte.

Für die Bedarfsermittlung gibt es Vorlagen, die Sie in einer Beratungsstelle bekommen können. Erstellen Sie Ihre Bedarfsermittlung nicht allein, sondern mit Hilfe von Personen aus Ihrem Umfeld, die Sie gut kennen. Bei der Bedarfsermittlung sollten Sie sich vier Wochen Zeit nehmen, um eine realistische Übersicht über einen Monat zu erhalten.

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4.     Leistungserbringer wählen

Sie suchen sich einen Dienst oder Personen, die Sie unterstützen sollen.

Nun wissen Sie bei welchen Dingen des täglichen Lebens Sie eine Unterstützungsperson benötigen. Überlegen Sie sich, wer diese Person sein sollte. Vielleicht sollen es Personen aus Ihrem direkten Umfeld sein, vielleicht auch ein professioneller Dienst, der Ihnen Pflege und Assistenz anbieten kann. Sie sollen selbst entscheiden, wer Ihnen die Unterstützung geben soll, da die Chemie zwischen Ihnen und Ihrem Helfer stimmen muss.

Haben Sie die entsprechenden Personen oder Dienste gefunden, lassen Sie sich einen Kostenvoranschlag geben, den Sie im nächsten Schritt dem Antrag beifügen.

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5.     Antrag

Sie beantragen Leistungen in Form eines Persönlichen Budgets.

Ein Persönliches Budget wird nur auf Antrag gewährt, d.h. Sie müssen einen Antrag auf eine Leistung in Form eines Persönlichen Budgets stellen. Sollten Sie verschiedene Leistungen bekommen, müssen Sie nicht alle Leistungen als Persönliches Budget beantragen, sondern können wählen. Sie können demnach einige Leistungen wie gewohnt bekommen und andere Leistungen als Persönliches Budget erhalten.

Der Antrag auf diese Leistungsform kann formlos erfolgen. Es gibt jedoch ein Formular, das bei der Beantragung nützlich sein kann. Es ist von Vorteil den Antrag gemeinsam mit einer Beratungsstelle zu stellen, um gesetzliche Vorgaben zu beachten.

Schreiben Sie, dass Sie das Persönliche Budget nutzen wollen, wofür Sie es einsetzen wollen und was Sie alles benötigen.

Neben einer ausführlichen und nachvollziehbaren Begründung sind dem Antrag folgende Unterlagen je nach betreffender Leistung beizufügen:

  •  Kopie des Schwerbehindertenausweises
  • aktuelles ärztliches Gutachten
  • Bedarfsermittlung
  • Kostenvoranschläge der Leistungserbringer

Ein gut vorbereiteter Antrag mit allen Unterlagen und einer guten Bedarfsbegründung kann eine enorme Zeitersparnis mit sich bringen.

Den Antrag schicken Sie an den Kostenträger, den Sie für zuständig halten.

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6.     Überprüfung

Der Kostenträger überprüft seine Zuständigkeit, Ihre Voraussetzungen für diese Leistung und Ihren Unterstützungsbedarf.

Der Leistungsträger, der den Antrag erhält, prüft innerhalb von zwei Wochen, ob er zuständig ist. Hält er sich nicht für zuständig, muss er den Antrag fristgemäß nach § 14 SGB IX an den seiner Auffassung nach zuständigen Leistungsträger weiterleiten. Diese Regelung trifft auf alle Anträge auf Teilhabeleistungen zu.

Wenn der Antrag nach den 14 Tagen noch beim erstangegangenen Kostenträger liegt, ist dieser zuständig für die Bearbeitung des Antrags. Dieser Kostenträger ist dann künftig Ihr Ansprechpartner.

Neben seiner Zuständigkeit überprüft der Kostenträger, ob Sie die Voraussetzungen erfüllen:

  • Liegt eine wesentliche oder drohende Behinderung vor?
  • Gibt es einen Unterstützungsbedarf?
  • Haben Sie Anspruch auf die beantragten Teilhabeleistungen?
  • Bei bestimmten Leistungen sind Ihr Einkommen und Vermögen zu überprüfen.

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7.     Budgetkonferenz

Sie treffen sich mit dem Kostenträger zur Budgetkonferenz, einem gemeinsamen Gespräch.

In diesem gemeinsamen Gespräch beraten Sie mit dem Kostenträger über die festgestellten Bedarfe und die Zielvereinbarung, die alle Regelungen zum Persönlichen Budget enthält. Für Sie ist es ratsam zur Budgetkonferenz eine Vertrauensperson mitzunehmen. Die Budgetkonferenz kann beim Kostenträger oder bei Ihnen zu Hause stattfinden und wie folgt ablaufen:

1) Begrüßung und Vorstellung der anwesenden Personen

2) Sie erhalten eventuell ergänzende Informationen zum Persönlichen Budget vom Kostenträger.

3) Gemeinsam wird Ihr Hilfebedarf durchgesprochen.

4) Es werden Ziele formuliert, die mit Hilfe des Persönlichen Budgets erreicht werden sollen.

5) Es geht darum, wie viel Geld Sie wie lange bekommen und wofür Sie es einsetzen sollen.

6) Der Kostenträger muss sichergehen, dass die Unterstützung und die Hilfe auch wirklich gut sind und den Bedarf decken. Deswegen wird über Maßnahmen zur Qualitätssicherung gesprochen.

7) Es wird ein Zeitraum abgesprochen, in dem die nächste Budgetkonferenz stattfindet.

 

Alles, was in der Konferenz besprochen wird, wird in einem Protokoll aufgeschrieben. Auf Basis dessen wird dann die Zielvereinbarung verfasst.

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8.     Zielvereinbarung

Sie schließen gemeinsam mit dem Kostenträger eine Zielvereinbarung ab.

Der Kostenträger erstellt die Zielvereinbarung und schickt sie Ihnen zu. Dann sollten Sie sich eine Person suchen, die mit Ihnen zusammen die Zielvereinbarung kritisch durchliest, damit alles stimmt, was darin steht. Sie können Bemerkungen machen, die vom Kostenträger berücksichtigt werden sollen.

 

In der Zielvereinbarung sollte stehen:

  • Welche Hilfen bekommen Sie?
  • Geltungsdauer
    Wie lange bekommen Sie diese Hilfen?
  • Individuelle Förder- und Leistungsziele
    Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Unterstützung?
  • Nachweispflicht
    Wie müssen Sie nachweisen, dass Sie das Persönliche Budget für Ihre Hilfen ausgegeben haben?
  • Qualitätssicherung
    Wie wird darauf geachtet, dass Sie gute Hilfen bekommen?
  • Wann treffen Sie sich das nächste Mal und unterhalten sich, wie alles geklappt hat?
  • Kündigung
    Was können Sie tun, wenn Sie mit dem Persönlichen Budget nicht zufrieden sind oder sich jemand nicht an die Vereinbarungen hält?

 

Lesen Sie die Zielvereinbarung genau durch. Schauen Sie, ob auch wirklich alles so darin

steht, wie Sie es in der Konferenz vereinbart haben.

Unterschreiben Sie die Zielvereinbarung, wenn alles korrekt ist und schicken Sie diese

an den Kostenträger.

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9.     Bescheid

Der Kostenträger schickt Ihnen den Bescheid über das Persönliche Budget.

Per Post erhalten Sie den Bescheid vom Kostenträger. Der Bescheid ist rechtskräftig, d.h. wenn Sie damit nicht einverstanden sind, können Sie einen Widerspruch einlegen, ansonsten gilt der Bescheid. Im Bescheid ist ausgeschrieben, dass Sie das Persönliche Budget bekommen und wie lange Sie es bekommen, bis die Leistung wieder überprüft wird, sowie alle weiteren Bestimmungen.

Nun können Sie mit Hilfe des Persönlichen Budgets in ein neues selbstbestimmtes Leben starten.

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10.  Verträge mit den Helfern

Sie schließen Verträge mit Ihren Helfern und führen Nachweise über erbrachte Leistungen.

Ihre Helfer haben Sie bereits in Schritt 4 ausgewählt. Jetzt müssen Sie Verträge mit ihnen abschließen.

Dann können Sie sich die vereinbarten Leistungen einkaufen und in ein selbstbestimmteres Leben starten.

Sie werden regelmäßig zu Gesprächen mit dem Kostenträger eingeladen. In diesen Gesprächen geht es darum, wie zufrieden Sie mit der Unterstützung sind und inwieweit Sie die festgelegten Ziele erreichen konnten.

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